Berufsorientierung

Bohrmaschine bearbeitetkleinNur wer weiß wohin er will, schaut welche Wege es gibt!

Vielen Jugendlichen fällt es schwer, den Übergang von der Schule in den Beruf ohne Probleme zu schaffen. In den letzten Jahren ist die Situation auf dem Ausbildungsstellen- und Studienmarkt nicht einfacher, sondern eher komplizierter geworden. Die Anforderungen aus der Wirtschaft und den Hochschulen steigen, die Berufsbilder sind vielfältiger, der Weg von der Schule in den Beruf ist unübersichtlicher geworden.

Woran liegt das?

Die Jugendlichen kennen häufig die Arbeitswelt zu wenig, der Arbeitsplatz der Eltern ist ihnen fremd. Wie sollen sie da die Fülle der heute möglichen Ausbildungsplätze kennen?

Und wenn schon die möglichen Ausbildungsplätze nicht bekannt sind, wie sollen die Jugendlichen dann wissen, was dort von ihnen verlangt wird?
Überschätzung wie auch Unterschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit führt dann innerhalb kürzester Zeit zu Konflikten mit den Ausbildern, die dann wiederum zum Abbruch der Ausbildung oder des Studiums führen. Statistiken der Agentur für Arbeit belegen dies.

Unwissenheit und Trägheit bestimmt altersbedingt oft das Handeln. Unbekanntem wird deshalb gerne aus dem Weg gegangen und Bekanntes (Schule!), mit teilweise zweifelhaftem Erfolg fortgesetzt. Erfolgserlebnisse und Zufriedenheit im Beruf sind auf diese Art und Weise natürlich nicht erlebbar und können dann auch nicht motivieren.

Was kann man tun?

Wir möchten unsere Schülerinnen und Schüler darin unterstützen, erreichbare und passende Ziele bei der Berufswahl zu verfolgen. Dazu benötigen sie Instrumente und Strategien, die dazu beitragen, sowohl ihre Lernorganisation und ihre Selbstständigkeit auszubauen, als auch Chancen und Möglichkeiten wahrzunehmen, sich selbst richtig einzuschätzen, die eigenen Interessen und Potentiale zu erkennen und sinnvoll einzusetzen.

In Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat kamen wir zu dem Entschluss, mit dem Thema Berufsorientierung so früh wie möglich zu beginnen und unseren Schülerinnen und Schülern die benötigten Instrumente und Strategien an die Hand zu geben.

Berufsorientierung-1

In Jahrgangsstufe 5 und 6 finden im Rahmen von „Lernen lernen“ und „Sozialem lernen“ die ersten Betriebserkundungen und Berufsinterviews statt. Hier werden bereits Kompetenzen erlernt, die von den Schülern auch in der Schule weiter genutzt werden können.

Die Probierwerkstätten in Jahrgangsstufe 7 sollen dann einen möglichst breiten Einblick in die Berufsfelder ermöglichen, um die Entscheidung für einen Praktikumsplatz während des Berufspraktikums in Jahrgangsstufe 8 zu erleichtern. Erfolgreich ist ein Berufspraktikum in der Jahrgangsstufe 8, wenn bei intensiver Beschäftigung mit einem Beruf der Berufswunsch bestätigt oder eben nicht bestätigt wird!

Eine Überprüfung der Sinnhaftigkeit des Praktikums erfolgt durch die Vorlage der Bewerbungsunterlagen und eines Motivationsschreibens bei der Schulleitung. Parallel findet am Ende der Jahrgangsstufe 7 eine Kompetenz-Testung bei Schüler und Schülerinnen statt. Die Ergebnisse werden mit Eltern, Schülern und Klassenlehrern besprochen und werden für die Schulwegs- und Berufsberatung herangezogen und dokumentiert.

Berufsorientierung-2 Als Portfolio und als zentrales Instrument der Berufsorientierung dient der mit den Klassenlehrern gemeinsam geführte Berufswahlpass, der bei uns einen schuleigenen Einband erhält (BO-ME). Er ist Sammelort für alle Zertifikate und Praktikumsbescheinigungen und begleitet die Schüler über die fünf Jahre an unserer Schule begleitet!

Ein zweites Berufspraktikum wird in der Jahrgangsstufe 9 für alle durchgeführt. Hier sollten nun schon die Berufswünsche konkreter sein. Die Schülerinnen und Schüler können die gemachten Erfahrungen und Fertigkeiten dann in eine Schülerfirma einbringen.
Beim Peer-Group-Projekt mit der Stadt Marburg stellen ungefähr gleichaltrige Auszubildende unseren Schülern das Berufsleben mit allen Vorzügen und Problemen vor.

In der Jahrgangsstufe 9 können Schülerinnen und Schüler länger gemeinsam lernen. Wir führen an einem Tag in der Woche einen sogenannten Profil-Tag durch, dessen Inhalte sich an den angestrebten Laufbahnzielen orientieren. So findet für die Schülerinnen und Schüler mit der Tendenz „Gymnasiale Oberstufe und berufliches Gymnasium“ ein Vorbereitungskurs in Richtung „wissenschaftliches Arbeiten“ statt. Für die Tendenz „Fachoberschule und Realschulabschluss“ finden sich Vorbereitungskurse für Berufe im Dienstleistungsbereich und für die Tendenz „Realschulabschluss und Hauptschulabschluss“ eher Vorbereitungskurse für Berufe im Dienstleistungsbereich und Handwerk.

Schülerinnen und Schüler können sich in Absprache mit Eltern und Lehrern im 1. Halbjahr der Jahrgangsstufe 9 am nächsthöheren Profil versuchen, sie müssen dann in den entsprechenden Kursen in den Haupt- und Nebenfächern aber auch die entsprechenden Leistungen erbringen!

Mit dem Halbjahreszeugnis 9/I werden von der Klassenkonferenz dann die endgültigen Tendenzen ausgesprochen und sind dann bindend.
Alle Schülerinnen und Schüler nehmen in der Jahrgangsstufe 9 im Herbst an einer Projekt-Prüfung teil. Ziel ist es die Teamfähigkeit der Jugendlichen zu schulen und ihr Augenmerk verstärkt auf diese Kompetenz zu richten. Für Schülerinnen und Schüler mit der Tendenz „Hauptschulabschluss“ ist diese Prüfung bereits Teil der Abschluss-Prüfung, für die Anderen eine Vorbereitung auf die Abschlussprüfung nach der 10. Es wird ein Zertifikat für das Portfolio der Jugendlichen ausgestellt, indem Thema und Leitung dokumentiert werden.

In den 9. Klassen führen wir darüber hinaus ein nun schon seit einigen Jahren etabliertes Programm der Berufsorientierung mit vielen Veranstaltungen außerhalb der Schule durch. Ohne das besondere Engagement, auch bei unseren Kooperationspartnern, wäre diese Arbeit nur halb so erfolgreich, wie sie ist. Und erfolgreich ist diese Arbeit tatsächlich, gemessen an der hohen Anzahl an Schulabgängerinnen und –Abgängern mit den qualifizierenden Schulabschlüssen.

Für die 10. Klassen bieten wir ein zusätzliches Bewerbungstraining mit der Stadt Marburg in Zusammenarbeit mit einem größeren Unternehmen an. Eine besondere Berufsberatung mit einer umfassenden Beratung für den weiteren Lebensweg schließt sich an. Für viele Schülerinnen und Schüler ist der Weg über eine Fachoberschule oder ein Berufliches Gymnasium hin zu einem akademischen Beruf der erfolgreichere Weg. Die intensiven Beratungen der Kolleginnen und Kollegen zeigen auch hier ihre Wirkung. Die Rückmeldungen von Ehemaligen zeigen uns, dass wir uns dort auf dem richtigen Weg befinden.

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit, der IHK wie auch den Handwerkskammern, die die Berufsorientierung an der RGS abrunden, spiegelt sich in der regelmäßigen Nutzung des in der Schule eingerichteten Berufswahlbüros, das den Schülerinnen und Schülern, aber auch den unterrichtenden Lehrern nach Absprache für Beratungen, Info-Veranstaltungen und Gespräche zur Verfügung steht.