Romeo und Paris

Prosaübung nach „Romeo und Julia“ von Th. P., Jg. 9 (2012)

Nach dem letzten Schlag fällt er. „Willst du mir Gnade zeigen, öffne das Grab und lege mich zu Julia.“. Das sind seine letzten Worte. Ich ducke mich zu ihm runter und gucke, wem ich ein Leben genommen habe. Es ist ein Vetter Mercutios, Graf Paris. Sagte er, dass Julia seine Frau werden sollte? Oder bildete ich mir das nur ein? Ich würde ihm Gnade zeigen und ihn zu meiner toten Geliebten ins Grab legen. Doch ist es kein Grab, denn sie liegt dort in ihrer unendlichen Schönheit und lässt den ganzen Raum strahlen.
Ich trete in die Gruft und lege Paris hinein. Ein schrecklicher und schöner Anblick zugleich. Mein Frau, meine geliebte Julia. Wie sie dort liegt, trotz des Todes wunderschön. Noch immer rote Lippen, rosa Wangen. Nicht ein bisschen bleich. Man sieht ihr den Tod nicht an. Als ob sie nur schlafen würde. Doch sie wacht nicht mehr auf. Nie mehr.
Ich knie vor sie und streiche von ihrer Schläfe zu ihrem Kinn. Ihre Haut, noch immer so zart. In diesem Moment begreife ich, dass sie mich nie mehr mit diesem Blick ansehen wird. So voller Sehnsucht, voller Liebe. Ihre einzigartigen Augen, strahlend, tief, unergründlich.
Ich werde nie mehr ihre Stimme hören. Welche für mich die schönste Melodie ist. Nie mehr ihr Lachen hören, so voller Freude und Hingabe.
Nie mehr ihre Stimme, ihr Lachen, nie mehr Julia. Sagt man nicht, sag niemals nie? Doch wenn der Tod ein Leben beendet, dann ist es erlaubt nie zu sagen, nicht wahr? Oder ist es selbst dann ein Fehler, weil es den Himmel gibt? Ein Leben nach dem Tod, gibt es so etwas? Werde ich an einen Ort kommen, an dem ich mit allen meinen Liebsten weiterlebe? Nein, leben werde ich nicht mehr, daran glaube ich, denn für jeden Menschen ist nur ein Leben bestimmt. So wollte es Gott, jener, der uns erschuf.