RGS für Anfänger

Eine „kurze“ Übersicht….

RGS, das steht nicht nur für Richtsberg-Gesamtschule, sondern auch für den Geist der neuen Lernkultur:
Respekt – Guter Wille – Selbstverantwortung

Die Richtsberg-Gesamtschule hat mit dem PerLenWerk (Personalisierte Lernumgebung mit Werkstätten) den Weg in eine neue Lernkultur beschritten.

Als Integrierte Gesamtschule hat die RGS eine lange Tradition mit Integration und Inklusion – die Schule möchte allen Schülerinnen und Schülern Lernen ermöglichen und die ihr anvertrauten Kinder und Jugendlichen bestmöglich fördern und fordern. Hinzu kommt das Schulentwicklungsprogramm KulturSchule, dass neben der Förderung der Künste (Bildende Kunst, Darstellendes Spiel, Musik, Tanz und Literatur) auch andere, ästhetische  Ansätze im Unterricht ermöglicht. Durch diese Zugänge fällt vielen Schülerinnen und Schülern das Lernen und Begreifen leichter und macht vermeintlich langweiligen Unterricht spannender. 

Im Zuge der Schulentwicklung der letzten Jahre ist an der Richtsberg-Gesamtschule vieles erfolgreich umgesetzt worden. So zum Beispiel das „Fachbegleitende Lernen“ (FBL), an deren Schulen als „Lernzeit“ bekannt. Hier durften die Lernenden selbst entscheiden, in welchem (Haupt-)Fach sie vertieft arbeiten und ihren Bedürfnissen entsprechend lernen wollten. 

Im Jahr 2018 begann die Pilotierung des ersten iPad-Jahrgangs in Klassenstufe 8. Dies sollte ein weiterer Schritt zur Entwicklung der Personalisierung von Lernprozessen werden, die sich konsequent im PerLenWerk vollzieht. 

Die Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter – Unterstützung beim Lernprozess

Die Lehrkräfte der Richtsberg-Gesamtschule ändern im PerLenWerk ihre Rolle. Aus Lehrer/innen, werden „Lernbegleiter/innen“. Sie belehren keine Schüler/innen, sondern begleiten und unterstützen „Lernpartner/innen“ in ihrem Lernprozess, geben Hilfestellung und sind Coaches.

Neue Räume für eine neue Lernkultur

Zu einer neuen, personalisierten Lernkultur gehört neues Denken und eine neue Raumstruktur. So wurde Abstand vom „klassischen Klassenraum“ genommen und Räume durch die Herausnahme von Wänden geöffnet und neu geschaffen. Die einzelnen neu entstandenen Räume sind zweckgebunden und sollen in ihrer Funktion die Schülerinnen und Schüler bzw. Lernpartner/innen als „der dritte Pädagoge“ unterstützen.

Das Lernatelier

Im Lernatelier verfügt jede Lernpartnerin und jeder Lernpartner über einen eigenen Arbeitsplatz. Der Raum, den vorher drei Klassenräume eingenommen hat, bietet nun Platz für ca. 120 schülereigene Arbeitsplätze. Die Lernpartnerinnen und Lernpartner haben hier einen Rückzugsort und durch konsequente Begleitung/Aufsicht einen Ort der tatsächlichen Ruhe. Hier können sie ihre Lernmaterialien lagern und ihren Platz, ihr „Zuhause“ in der Schule frei nach ihren Vorlieben gestalten. Neben Rennwagen und Bildern von Haustieren stehen bei so manchem Kind auch die Großeltern in einem Rahmen auf dem Schreibtisch und sehen beim Lernen zu.

Die Fachlernlandschaften 

In der Weiterentwicklung des PerLenWerks sind die Fachlernlandschaften entstanden und erweisen sich als sehr hilfreich für die Lernpartner/innen. Zu jeder Zeit findet sich hier eine Fachbegleiterin oder ein Fachbegleiter der Prüfungsfächer (Deutsch, Mathe, Englisch, Französisch/Spanisch) und steht den Lernpartnerinnen und Lernpartnern für Nachfragen und fachliche Begleitung zur Verfügung. Dies ist eine Ergänzung zu den fachlichen Anleitungen und den digitalen Lernarrangements, die die Lernpartnerinnen und Lernpartner zur Verfügung gestellt bekommen. 

Der Vorteil einer festen Verortung der fachlichen Unterstützung ist zum einen die Verfügbarkeit von Anschauungs- und Lernmaterial, aber auch die Klärung der Rolle der Fachbegleiter, die in diesem  Räumen eben zur fachlichen Unterstützung und Begleitung zur Verfügung stehen – im Unterschied zu den Lernbegleiterinnen und Lernbegleitern, die, ähnlich einem Klassenlehrer für das Lernen an sich so wie das Coaching der Lernpartnerinnen und Lernpartner verantwortlich sind (s.u.). Der MakerSpace

Zum Lernen im PerLenWerk gehört auch praktisches, handlungsorientiertes Arbeiten und Lernen. Ganz im Sinne der KulturSchule und kreativer Ansätze im Fachunterricht haben die Lernpartnerinnen und Lernpartner mit dem MakerSpace einen Raum zur Verfügung, in dem sie sich kreativ ausleben können. Begleitet oder auch selbstständig stehen hier verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: von den Werkbänken und der Kunstausstattung über das GreenScreen-Studio bis hin zum 3D-Drucker und der Drohne sind der Fantasie und dem kreativen Schaffen hier keine Grenzen gesetzt. 

Die Anleitungsräume

Um die Lernpartnerinnen und Lernpartner mit neuen Themen oder Aspekten bekannt zu machen, ihnen die Möglichkeit für Vertiefung oder Sprachpraxis zu bieten, stehen Anleitungen zur Verfügung. In kleinen Gruppen und innerhalb von höchstens 20 Minuten bekommen die Lernpartnerinnen und Lernpartner Einblicke in neue Themen und Herausforderungen, lernen Präsentationstechniken und gehen miteinander und mit den Fachbegleiterinnen und Fachbegleitern ins Gespräch. Alle Anleitungen werden auf einem Anleitungsplan eingesehen.

Der Hotzenplatz

Lernpartnerinnen und Lernpartner, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht an den „regulären“ Lernsettings teilnehmen können, haben die Möglichkeit, temporär einen anderen Ort aufzusuchen, den Hotzenplatz. Dies ist ein ein sog. „Produktivraum“ in dem sich die Kinder und Jugendlichen, unterstützt durch ein sozialpädagogisches Team, eine „Auszeit“ nehmen können. Sie sind nach wie vor Teil der Schulgemeinde und nehmen an Lerngruppentreffen, ihren Coaching-Gesprächen (s.u.) und den Ganztagsangeboten teil.

Räume für Werkstätten – innerhalb und außerhalb der Schule

Die Werkstätten, die die sog. Nebenfächer fächerverbindend abbilden, finden in unterschiedlichen  Räumen innerhalb und außerhalb der Schule statt. So können Werkstätten mit einem naturwissenschaftlichen Schwerpunkt in den entsprechenden Fachräumen, aber auch in der Natur stattfinden. Gesellschaftswissenschaftliche Werkstätten können in Museen, Kirchen, Moscheen oder Synagogen oder in der historischen Altstadt Marburgs stattfinden. Die Lernpartnerinnen und Lernpartner stellen somit den direkten Lebensweltbezug zu den Inhalten her.

KulturRäume

Als KulturSchule hat die RGS bereits vor der Etablierung des PerLenWerks großen Wert auf die Förderung der Künste durch räumliche und sächliche Ausstattung gelegt. So gibt es einen offenen, sehr gut ausgestatteten Musikbereich, zu dem die Lernpartnerinnen und Lernpartner jederzeit Zugang haben. Auch räumliche Möglichkeiten für Theater, Tanz und eine Aufführungskultur sind durch das neugestaltete Forum gegeben. Ebenso wie Räume für Kunst, Werken und der MakerSpace (s.o.). 

Zeit für Lernqualität – Zeit für Lebensqualität

Durch die Schaffung neuer Zeiten für Lernsettings und das Etablieren neuer Zeitformate geht das PerLenWerk einen großen Schritt in Richtung der Personalisierung von Lernprozessen. Zeit für sich und das eigene Lernen, Zeit für die Arbeit mit Anderen, Zeit um sein Lernen zu reflektieren – dies sind wichtige Aspekte, die im PerLenWerk berücksichtigt werden. 

Die Lernzeit

Einen großen Teil ihrer Anwesenheitszeit in der RGS verbringen die Lernpartnerinnen und Lernpartner in der Lernzeit. Sie haben hier die Möglichkeit, ihre eigenen Lernprozesse zu organisieren, mit anderen zu koordinieren und erhalten dabei Unterstützung durch die Lern- und Fachbegleiterinnen und -begleiter, sowie ein multiprofessionelles Team. Diese Team besteht aus Schulbegleitern, Sozialpädagogen und Förderschullehrkräften, die den Lernpartnerinnen und Lernpartnern jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen. 

Die KulturLernzeit 

Ganz im Sinne der KulturSchule haben die Lernpartnerinnen und Lernpartner hier Zeit um sich mit den Kernfächern der Kulturellen Bildung auseinander zu setzen. Begleitet werden sie dabei u.a. von professionellen Kunst- und Kulturschaffenden. Die Kinder und Jugendlichen entscheiden sich nach einer sog. „kulturellen Grundbildung“, in der sie alle Bereiche (Tanz, Bildende Kunst, Musik, Darstellendes Spiel und Literatur) kennengelernt haben für eine Kunst, der sie ein Schuljahr lang nachgehen können. Danach kann ein Wechsel erfolgen, aber auch in der Kunst weiter gelernt werden. Lernpartnerinnen und Lernpartner, die kulturell stark interessiert sind, können auch Stunden ihrer „regulären“ Lernzeit für kulturelle Aktivitäten nutzen.  

Der Projekttag und Forschendes Lernen 

Jeden Mittwoch ist Projekttag an der RGS. Dazu werden Stunden der Stundentafel zusammengezogen und epochal und themenbezogen unterrichtet. So gibt es im vierteljährlichen Wechsel im ersten Jahr des PerLenWerks die Projekttage Werken, Schwimmen, Kunst und Wald, im zweiten Jahr die Projekttage Sport, Darstellendes Spiel, Naturwissenschaft und Ernährung. Hier lernen die Lernpartnerinnen und Lernpartner handlungsorientiert und ganztägig die verschiedenen Lernbereiche kennen und können sich so entsprechend mit ihnen auseinandersetzen. 

Ab dem dritten Jahr im PerLenWerk verkürzt sich der Projekttag und setzt seinen Schwerpunkt auf das Forschende Lernen. Die Lernpartnerinnen und Lernpartner forschen projektartig an selbstgewählten Themen, die mit den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung verknüpft sind und den Blick auf Zukunftsorientierung und Nachhaltigkeit schärfen. Eine Begleitung von Lehrkräften, sowie außerschulischen Kooperationspartnern unterstützt die Lernpartnerinnen und Lernpartner bei Themenfindung, Recherche und Präsentation – ohne den Raum für eigene Gedanken und Kreativität einzuschränken.

Die Lerngruppenzeit – zwei Stunden pro Woche für die Lerngruppe

Die jahrgangsübergreifende Lerngruppe mit etwa 15 Lernpartnerinnen und Lernpartnern bildet den kleinsten strukturellen Rahmen des PerLenWerks ab. Zu Beginn und zum Abschluss der Woche findet sich die Lerngruppe mit ihrer Lernbegleiterin/ihrem Lernbegleiter zusammen und verbringt Zeit miteinander, widmet sich Herausforderungen im Lerngruppenrat oder plant gemeinsame Unternehmungen oder einfach nur die Woche. Hierbei steht soziales Lernen und das Miteinander im Vordergrund. 

Das Coaching – Zeit für Gespräche und Begleitung

Ein wesentlicher Bestandteil der neuen Lernkultur PerLenWerk sind wöchentliche Coaching-Gespräche. Jede Lernpartnerin und jeder Lernpartner hat einmal wöchentlich ein Coaching-Gespräch mit seiner Lernbegleiterin/seinem Lernbegleiter. Hierbei wird das Lernen reflektiert, aber auch persönliche Belange können hier ihren Platz finden. Die Lernbegleiter fungieren als direkter Ansprechpartner für die Lernpartnerinnen und Lernpartner. In einer zweijährigen Weiterbildung „Systemische Beratung“ können die Lehrkräfte den Schritt vom Lehrer zum Lernbegleiter gehen – unterstützt von weiteren vielfältigen Fortbildungsangeboten um die bestmögliche Betreuung für die Kinder und Jugendlichen zu gewährleisten. 

Gestützt wird dies zusätzlich durch ein multiprofessionelles Team mit der Expertise von u.a. Förderschullehrkräften und sozialpädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auch vom Bewohnernetzwerk für soziale Fragen e.V. im Stadtteil Richtsberg.

Die Fachlernzeit

Die Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter sind gleichzeitig auch für die fachliche Begleitung und Unterstützung der Lernpartnerinnen und Lernpartner zuständig. Jede Fachbegleiterin/jeder Fachbegleiter ist für etwa 60 Lernpartnerinnen und Lernpartner verantwortlich, hat ihren fachlichen Fortschritt im Blick und führt Fach-Coachings durch, d.h. fachliche Beratungen und, wenn gewünscht und/oder notwendig, spezielle fokussierte Anleitungen für kleine Gruppen. 

Die Anleitungszeit

Die Fachbegleiter der Fächer Deutsch, Mathe, Englisch, Spanisch und Französisch sprechen sich untereinander ab und bieten verschiedene Anleitungen an. Diese Anleitungen sind auf einem Anleitungsplan zu finden. Dort können alle Lernpartnerinnen und Lernpartner jederzeit einsehen, wo von wem welche Anleitung angeboten wird.